… aus dem Leben einer Fairy

Gelöscht

Vor circa eineinhalb Jahren hat eine wichtige Person aus meiner Vergangenheit sich suizidiert. Wir hatten seit einer unschönen Auseinandersetzung vor vielen Jahren keinen wirklichen Kontakt mehr. Ab und zu ein Neujahrswunsch oder eine Weihnachtsnachricht, mehr war da auf der Realebene nicht mehr. Immerhin haben wir uns wieder gegrüßt, wenn wir uns gesehen haben. Anfangs schlug mein Herz bei solchen zufälligen Begegnungen noch schneller, aber irgendwann wurde es weniger. Von jugendlicher Schwärmerei, Leidenschaft, wer weiß, vielleicht sogar  sowas wie Liebe wandelte sich mein Gefühl nach einer Zeit von heißer Wut und heftiger Enttäuschung zu – ja – was eigentlich? – sowas wie freundlicher Gleichgültigkeit mit dem faden Beigeschmack der narzisstischen Kränkung. 

Dieser Mensch nahm sich also aus dem Leben, und obwohl ich ihm vor vielen Jahren sowohl die Affäre alsauch die Freundschaft aufgekündigt hatte, konnte ich bis zum heutigen Tag seine Nummer nicht löschen. Ich konnte es einfach nicht. Vielleicht weil es mir damals so weh getan hat, dass er mich einfach hat gehen lassen. Dass er meine Gefühle nicht im gleichen Maß erwidert hat. Dass ich ihm nicht so wichtig war wie er mir. Vielleicht weil das Thema für mich nicht komplett geklärt war, ob und was er damals überhaupt für mich empfunden hat. Vielleicht weil ich es allgemein ganz schlecht ertrage, anderen mir wichtigen Personen möglicherweise egal zu sein. 

Heute habe ich mal wieder meine Kontakte durchgescrollt und siehe da – sein Foto ist weg. Stattdessen lächelte mir ein junger Mann, der jetzt offenbar seine Handynummer zugewiesen bekam, entgegen. Das war der Zeitpunkt, die Nummer zu löschen. Und auch in diesem Moment, in dem ich das hier schreibe, erfasst mich ein leichter Kälteschauer und ich frage mich, ob er meine Nummer an meiner Stelle schon längst gelöscht hätte. Vermutlich. 

Kommentare zu: "Gelöscht" (4)

  1. Vor über einem Jahr ist meine Freundin und Mitbloggerin Tanja an Krebs gestorben. Ich habe damals das schönste Bild von ihr der Telefonnummer zugeordnet und das wird so für immer im Telefonbuch meines iPhones erhalten bleiben – auch wenn oder gerade weil ich einsehen musste, dass mein Kontakt zu ihr nicht auch gleichzeitig ein Kontakt zu ihrer Familie war.

    • Das kann ich gut verstehen. Ich glaube der Fall lag bei mir etwas anders. Und wenn ich mich wirklich erinnern möchte, brauche ich dazu den Telefoneintrag nicht. Es war ein absolut surreales Gefühl, dass mich da auf WA plötzlich jemand anders anschaut.
      Stimmt, Tanja hat deinen Blog sehr bereichert und auch lebendig gemacht. Hatte nicht sogar ihr Sohn überlegt weiterzubloggen?

      • Mich hatte nur Deine Geschichte meine eigene wieder in Erinnerung gebracht.Und ich wollte damit sagen, dass sie einfach da hin gehört, zu all den lieben Menschen die ich dort liste – zur Erinnerung brauche ich das wahrlich nicht.

        Und Absichtserklräungen die im schmerz getroffen werden, unterscheiden sich z.B. von Neujahresvorsätzen nur sehr undeutlich, wenn überhaupt.

      • Da ist was dran…

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