… aus dem Leben einer Fairy

Die Bibliothek

Ich bin ja grundsätzlich ein neugieriger Mensch. Und ich liebe Bücher. Ich besitze viele Bücher (auch viele Fachbücher) und in meiner Kindheit und Jugend war ich in der Stadtbibliothek ein häufig gesehener Gast. Ich verschlinge Bücher, ich kämpfe mich durch Bücher, ich verliere mich in Büchern. Bücher sind für mich ein Tor zu fremden und geheimnisvollen Universen.

Schräg gegenüber von unserem Haus steht ein anderes Haus. In einer der Wohnungen wohnt ein alter Mann mit einer Bibliothek. Ich weiß natürlich nicht, ob es wirklich eine Bibliothek ist, aber die ganze Wohnung ist ein einziges Bücherregal.

Abends, wenn das gesamte Haus dunkel ist, sitzt er an seinem großen Schreibtisch am Fenster im Schein seiner Schreibtischlampe. Und ich stehe auf dem Balkon, schaue hinüber und frage mich, was er wohl liest. Vielleicht ist die Realität ganz langweilig und die Wohnung steht voller Rosamunde Pilcher Schinken oder Gesetzestexte…

Aber ich stelle mir viel lieber vor, es handelt sich um eine geheimnisvolle Welt, in die er abends eintaucht. Vielleicht ist er Philosoph und hat all die Bücher selbst verfasst und in Wirklichkeit liest er gar nicht, sondern arbeitet ständig an neuen Werken. Oder er ist Forscher und studiert abends Literatur um sie tagsüber in die Praxis umzusetzen. Vielleicht ist er zeitlebens Student und fängt jedes Jahr ein neues Hauptfach an. Oder er ist Professor und arbeitet bis spät in die Nacht um den Studenten neue Horizonte zu eröffnen. Vielleicht ist er Buchautor oder Literaturkritiker, vielleicht schreibt er Gedichte. Vielleicht hat er eine Angststörung und verlässt nie das Haus, sondern liest ständig Reiseberichte um seiner Wohnung zu entfliehen. Wenn ich da so stehe, sind meiner Phantasie keine Grenzen gesetzt.

Manchmal würde ich schon gerne wissen, welche Bücher er hat und warum er jeden Abend am Schreibtisch sitzt. Ich stelle mir vor, ich klingele dort und frage nach den Büchern. Oder ich rufe über den Balkon „Hallo! Was lesen Sie denn da? Könnten Sie mir eine Auflistung Ihrer Bibliothek schicken?“

Aber ich fürchte, wenn das Geheimnis gelüftet und das Rätsel gelöst wäre, würde das die Bibliothek entzaubern. Und das wäre schade.

Kommentare zu: "Die Bibliothek" (4)

  1. Chris schrieb:

    Wenn Du die beiden Penumbra Bücher durch hast, kommen Dir vielleicht noch andere Ideen, was der liebe Nachbar (den ich übrigens meines Wissen nach noch nie auf der Straße gesehen habe…) da die ganze Zeit arbeitet.😉

  2. Also ich würde, wäre ich ein Mädchen mit einem sicher unglaublichen Augenaufschlag, einfach rüber gehen und klingeln – nicht vordringlich wegen der Neugier, sondern vielmehr weil Träume ab und an eben doch wahr werden.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: