… aus dem Leben einer Fairy

Die perfekte Ausrede

Am Wochenende war ich zum letzten mal vor der Geburt bei einem meiner Ausbildungsseminare. Normalerweise hätte ich das Seminar nicht mehr mitgemacht, aber die Thematik und vor allem der tolle Dozent waren für mich ein großer Anreiz.

Diese Veranstaltung ging von Donnerstag bis Samstag. Da ich nach zweieinhalb Tagen sitzen auf unbequemen Stühlen wahnsinnige Schmerzen hatte und mich kaum noch konzentrieren konnte, warf ich Samstag Mittag das Handtuch und blieb nach der Mittagspause zu Hause im Bett. Ich verabschiedete mich vom Dozenten persönlich und bedankte mich für das interessante Seminar. Er meinte er bewundere, dass ich so lang ausgehalten habe und dass das Seminar auch für ihn anstrengend sei. Auch von einigen Kolleginnen und Kollegen verabschiedete ich mich, wem ich eben gerade noch so über den Weg lief.

Am nächsten Tag rief eine der Mitteilnehmerinnen an (eine derjenigen, die grundsätzlich immer wieder ohne zu fragen an meinen Bauch getatscht hatten und die auch sonst eher distanzlos ist) um eine Information von mir zu bekommen. Sie begann das Gespräch mit den Worten „Hattest Du gestern keinen Bock mehr?“. Dieser Satz in dieser Situation (ich habe den kompletten Sonntag flach gelegen vor Schmerzen in Rücken und Beinen) hat bei mir übelste Jugenderinnerungen getriggert. Ich habe noch versucht, ihr halbwegs freundlich zu antworten und mich den Rest des Tages gefragt was mich da gerade so furchtbar geärgert hat.

Klar, es hat damit zu tun, dass Menschen die keine Ahnung von einer Situation oder einem Gefühl haben, sich scheinbar sowas wie ein Urteil erlauben. Das ärgert mich und ich fühle mich zu Unrecht „beschuldigt“ irgendwelche Sonderkonditionen für mich in Anspruch zu nehmen.

Das ging mir schon vor vielen Jahren so als ich kurz nach einer schweren Knie OP eine Schulklausur nicht schreiben musste. So wie meine Mitschülerinnen reagiert haben hätte man meinen können, ich habe das komplette Abi geschenkt bekommen. Dass ich ohnehin gute Noten hatte, hat meinen Sympathielevel natürlich nicht unbedingt gehoben. Aber schlecht in der Schule sein um anderen zu gefallen wäre doch auch Quatsch gewesen.

Seitdem fürchte ich solche Situationen. Ich will keinen Neid (oder was auch immer es ist das die Leute dazu bringt so zu reagieren) auf mich ziehen. Ich verstehe es ohnehin nicht, wie man auf eine Schwäche neidisch sein kann. Auf Stärken, ok. Das ist halbwegs nachvollziehbar wenn auch dumm. Denn es macht doch alle nur ärmer. Aber auf eine Krankheit? Oder auf Schwächen allgemein? Ich sehe den Sinn nicht. Geht es um die scheinbar erstrebenswerte Sonderbehandlung? Ich habe mich während der Schwangerschaft keinen Tag krankschreiben lassen. Auch wenn es mir mal nicht so gut ging.

Und ich will keinesfalls irgendwelche „Sonderbehandlung“. Da wo andere es sich regressiv gut gehen lassen können, habe ich manchmal immer noch ein schlechtes Gewissen. Wobei es schon viel besser geht… So lange ich nicht angegriffen werde.

Die Schwangerschaftsendphase (vorher war ich ja fit und habe weiter alles gemacht wie sonst auch) bringt mich in eben diese Lage und ich hasse es, wenn jemand zu mir Dinge sagt wie „Da hast Du ja jetzt die perfekte Ausrede“.
Die will ich gar nicht.
Die brauche ich gar nicht.
Andere haben Seminare wegen Popkonzerten geschwänzt. Da sagt niemand was.

Ich glaube ich bin gerade etwas überempfindlich und werde mir solche Aussagen nicht mehr zu Herzen gehen lassen. Neulich habe ich dazu einen schönen Spruch gelesen:

Einfach nett lächeln und winken. Du kannst sie nicht alle töten :mrgreen:.

20120425-084604.jpg

Advertisements

Kommentare zu: "Die perfekte Ausrede" (15)

  1. Hm, was soll ich sagen…

    Es heißt nicht umsonst „in anderen Umständen“, leider ist es in unserer Gesellschaft nicht mehr en vogue dieses auch so zu sehen und vor allem zuzugeben…

    Ich sehe es übrigens durchaus so, dass eine Schwangerschaft schlaucht und ich finde Du hättest durchaus auch zuhause bleiben können, wenn es Dir schlecht ging. Nicht schwanger gehst Du ja auch nicht „kotzend“ in die Arbeit, oder? Ich werde es nie verstehen, dass Menschen meinen eine Schwangerschaft wäre keine außergewöhnliche Situation.

    Ich bin schwanger nicht auf ein Popkonzert gegangen, obwohl ich es gerne gemacht hätte, es aber nicht gut fürs Kind und mich gewesen wäre, also muss ich doch auch nicht arbeiten, wenn ich körperlich am Ende bin.

    Und Menschen die ungefragt Bäuche anfassen sind mir ein Gräuel. Das ist eine absolute Grenzüberschreitung, die nicht geht.

    Ich habe bei einem solchen Fall übrigens mal einer Dame an den Hintern gelangt und gefragt: „War das jetzt angenehm für Dich?“ Die hat nie wieder auf meinen Bauch gefasst…..

    • Ich sehe das eigentlich auch so, aber vor allem diejenigen in der Umgebung die keine Kinder haben sind da nicht so tolerant. Wie gesagt, ich verstehe es auch nicht so wirklich, zumal ich eben bisher KEINE Sonderbehandlung für mich gefordert oder erwartet habe…

      Hihi, ich glaube sie fände es noch lustig wenn ich ihr an den Hintern greife. Das könnte bei ihr zu schlimmerem führen, ich lasse es lieber ;-). Aber ich habe ihr gesagt, dass ich die Grabscherei nicht ok und respektlos finde und dass mein Bauch durch die Schwangerschaft nicht zum Gemeinschaftseigentum geworden ist. Ich hoffe es hat sich damit erledigt.

  2. Ja, ich weiß, dass Leute ohne Kinder das anders sehen, aber das sollte Dir egal sein. Deppen, Idioten, Dilettanten! Nur weil ich mir noch nie ein Bein abgehakt habe, weiß ich durchaus auch dass das weh tut.;-)

    Mir geht diese ganze Diskussion mit Leuten ohne Kinder mittlerweile sowas von auf den Zeiger, dass ich keine Worte mehr dafür finde.

    Egal: Du bist durch und solltest Dich über solche Leute einfach nicht ärgern. Du weißt was los ist und Dummheit wird leider nicht bestraft, also geht die Dame leer aus.

    Du hast sowieso besseres zu tun: Immerhin musst Du noch Eure Wohnung fünfmal umbauen, die Krankenhaustasche 20 mal ein- und auspacken, 200 mal nachfragen ob der Kinderwagen auch tatsächlich noch fristgerecht geliefert wird, die 30 Spieluhr kaufen, die Eltern und Schwiegereltern weiterhin bezüglich der Namenswahl „an der Nase herumführen“, Himbeerblättertee in rauhen Mengen kochen und trinken, die chinesische Hühnersuppe für den Kreißsaal kochen und ein Salamibrötchen bereithalten, denn das ist üblicherweise das erste was man nach einer Geburt essen will (40 Wochen ohne Salami… ich weiß garnicht wie ich das durchgehalten haben!)

    Also, siehst Du? Keine Zeit für solch Kleinkram wie über Deppen ärgern;-)

    Und Du meinst wirklich der würde ein Hinterngrapscher gefallen???

    • Danke. Vermutlich hast Du recht. Ich gehe mir dann mal einen Himbeerblättertee kochen und ordne mal wieder meine Tasche, das hab ich bestimmt schon zwei Tage nicht gemacht ;-).

      Und ich glaube ich probiere das mit dem Hintern einfach mal aus bei ihr. Könnte lustig werden :mrgreen:.

  3. „Einfach nett lächeln und winken. Du kannst sie nicht alle töten „.

    Aber man kann es versuchen 😆 !

    Ich habs ehrlichgesagt grad andersrum gemacht. Ich bin schwanger, und es ging mir oft schlecht, und ich hab mich NICHT in die Arbeit geschleppt. Wozu denn? Es dankt mir keiner. Dazu kommt, dass ich mir bei meiner Arbeit wirklich keine Fehler leisten darf, egal, wie fertig ich bin. Das würde da tatsächlich nicht als „Ausrede“ genügen…

    Mein Gyn hat mal gemeint: „Andere lassen sich wegen jedem Scheiß krankschreiben, da kann man das in der Schwangerschaft erst recht. Die Kinderlosen machen immer dicke Backen – sollen die doch erstmal selbst schwanger werden…“ Recht hat er. Und ja – unschwanger schleppe ich mich ja auch nicht kotzend in die Arbeit. Ich muss allerdings sagen – sowohl meine Chefs als auch die Kollegen hatten größtes Verständnis und haben mich einmal sogar von sich aus heimgeschickt, weils mir so mies ging.

    Das schlechte Gewissen wird mich allerdings
    auch noch packen. Allerspätestens dann,
    wenn mein Gehalt ausbleibt (ich möchte 2
    Jahre zuhause bleiben, und mit meiner Arbeit
    geht das schon) Ich hoffe, ich kann da
    frühzeitig irgendwie gegensteuern…

    Was ich aber ssgen wollte: Lass die Deppen reden. Die haben doch keine Ahnung 😉

    • Du hattest ja auch wirklich von Anfang an mit Übelkeit etc. zu kämpfen. Mir ging es anfangs ja noch ganz gut…

      Ich werde erstmal drei Monate aussetzen, länger kann ich mir einfach nicht leisten. Wenn ich nicht arbeite kommt auch kein Geld rein. Außerdem möchte ich auch meine Ausbildung so schnell wie möglich wieder aufnehmen.
      Von daher… Ich hoffe das schlechte Gewissen kommt bei mir dann nicht weil ich das Baby so früh anderen überlassen habe. Aber mein Mann kümmert sich bestimmt super um die Kleine.

      Ach so, kann man bei Dir professionelles Schießtraining nehmen? 😉

      • Wenn der Daddy sich um das Baby kümmert, hätte ich wohl auch keine Bedenken, bald wieder arbeiten zu gehen. Nur „außer Haus“ geben würde ich es nicht so früh wollen. Hatte ich selbst als Kind und ich befürchte fast, dass das zum anhaltenden etwas komplizierten Verhältnis mit meiner Mom beigetragen hat. Ich kann mich nämlich nur an diverse Tagesmütter und Day Care Centers in meinen ersten Lebensjahren erinnern – aber nicht an meine Mutter. Irgendwie komisch, und ich will das auch nicht.
        Allerdings ist die Situation bei uns ja auch eine ganz andere. Wir arbeiten beide seit Jahren, haben unsere festen Jobs und können uns das durchaus leisten – auch wenn das zweite Jahr etwas härter wird, da nach dem Elterngeld ja dann erstmal nur noch ein Gehalt da ist. Egal. Das schaffen wir auch 😉
        Wenn ich noch in der Ausbildung wäre wie Du, dann wüßte ich es auch nicht so genau…

      • Ich weiß was Du meinst. Meine Mama hat sich damals auch dafür entschieden, komplett zu Hause zu bleiben und sie hat es wohl auch nicht bereut. Mit zwei Kindern hatte sie auch so genug Action ;-).

        Ich hab sie mal gefragt, warum sie sich so entschieden hat und sie sagte sie wollte nicht, dass wir mit Tagesmüttern und Nannys aufwachsen, so wie sie und ihre drei Geschwister. Und ich bin ihr sehr dankbar dafür.

        Ich gebe mein Baby auch nicht in den Kindergarten oder in die Krippe bevor es laufen und sich verständigen kann. So lautet zumindest der Plan. Meine Ausbildung ist ja glücklicherweise relativ kinderfreundlich und ich hoffe einfach, wir kriegen das irgendwie alles hin.

        Im zweiten Jahr bekommt man dann kein Geld mehr? Da die Option bei mir ja ohnehin ausfällt, habe ich mich darüber gar nicht wirklich erkundigt…

        Für das Schießtraining gibst Du mit dann einfach mal einen Termin :mrgreen:.

      • Ach so ja – Schießtraining. Klar! Immer gerne :mrgreen:

      • Naja, Kindergeld bekommt man dann natürlich noch. Aber das Elterngeld ist auf 14 Monate begrenzt (wenn der Vater auch zwei nimmt, ansonsten sogar auf 12).
        Mit zwei will ich dann schon Krippe, aber da kann ein Kind sich normalerweise auch schon ein wenig verständlich machen 😉

  4. Die Kinderlosen machen immer dicke Backen – eine Weisheit die jede Schwangere immer griffbereit haben sollte! Werde erst mal schwanger und bekomm ein Kind, dann reden wir weiter! Einatmen, Ausatmen, das hilft ungemein. Du machst das sehr gut und mit der Zeit, wird das Fell dicker und die Prioritäten verschieben sich!

    • Danke! Ja, das mit den Prioritäten merke ich jetzt schon. Noch nie habe ich so viel „praktische“ Entscheidungen getroffen. Ich bin gespannt wie es weitergeht :-).

  5. Also das ist ja echt was. O_o
    Solche Leute gibt es immer wieder und überall. Furchtbar…

    Deine Einstellung gefällt mir! Wobei Du bei dem Foto von dem Kater auch hättest schreiben können: „Einfach nett lächeln und winken. Und den Kampf-Kater loslassen!“ ^^

    Liebe Grüße
    Schlörte

  6. Ich als nichtschwangerer Mensch (geht irgendwie biologisch immer noch nicht) habe vollstes Verständnis dafür, wenn eine schwangere Frau sagt, dass sie zu Hause bleibt. Immerhin hat sie ja die Verantwortung für zwei Leben zu diesem Zeitpunkt und das ungeborene Kind hat sonst keinen direkten Fürsprecher.
    Zu dem antatschen muss ich glaube ich nichts weiter sagen, ich würde es selber nicht machen und mag es selber auch nicht angegrabscht zu werden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: