… aus dem Leben einer Fairy

Zuckerschock

Eines vorweg: Ich finde es vorbildlich, sicherheitsspendend und fast schon unglaublich, mit welcher Sorgfalt und Lückenlosigkeit sich in meinem schönen Heimatland um die Gesundheit schwangerer Mitmenschen gesorgt wird. Das Gesundheitssystem ist da wirklich auf Zack. Noch nie in meinem ganzen Leben wurde mir vorgeschrieben, soooo oft zum Arzt zu gehen und so viele Untersuchungen und Vorsorgemaßnahmen wahrzunehmen.

Ich kann nicht beurteilen, inwiefern das wirklich alles notwendig ist und ob der 50. Bluttest, der 75. Urintest und das 100. Ultraschall irgendwas bringen (ok, ein ganz klein wenig übertreibe ich vielleicht). Aber so langsam finde ich es ein wenig nervig und übertrieben.

Heute hatte ich dann mal einen „Zuckerbelastungstest“. Klang im Vorfeld ganz lustig und ich hatte mich schon ein bisschen darauf gefreut, mit Puddingberlinern und Kamellen gemästet zu werden. Aber wie so häufig war der Name der Prozedur irreführend und es ging in Wirklichkeit darum, dass ich den ganzen Morgen lang immer wieder in den Finger gepiekst wurde, nichts essen durfte und ekelhaft süße Glucoselösung in mich reinschütten musste.

Pfui Bah! Die Kalorien hätte ich persönlich sinnvoller investieren können (ich arbeite an einem Zuckerbelastungstest mit Kaffeestückchen).

Zudem war die Pieksdame sehr unsensibel. Ich finde, solche Leute haben in Arztpraxen nichts zu suchen. Es sei denn sie sitzen nur am Empfang oder beschäftigen sich mit irgendwas ohne Nadeln, das ist dann ok. Meine Fingerkuppen werden diesen Tag jedenfalls nicht so schnell vergessen.

Das Ergebnis war leider nicht ganz so unauffällig, wie mir lieb gewesen wäre 😦 . Ausgerechnet mein nüchterner Wert lag leicht im Grenzbereich und der frisch glucosegezuckerte Wert auch nur knapp im Normalbereich. Der dritte Wert war ok.

Nach der ganzen Prozedur fragte mich die Ärztin, was ich gestern so gegessen hätte. „Naja, ich wusste ja, dass ich heute morgen nicht frühstücken darf…“ und so zählte ich ihr von Schokolade über Gummibärchen bis zu einem späten Abendessen alles auf, was ich gestern in meiner Angst und Verzweiflung, heute verhungern zu müssen, in mich reingestopft hatte. Ihr Gesichtsausdruck wechselte zwischen besorgt und belustigt und sie meinte, man müsse den Test in einigen Wochen wiederholen… ohne Verzweiflungsfressanfall am Vortag.

Super! Hätte ich das vorher gewusst, dann hätte ich mich gestern echt zusammengerissen.

Aber das hier musste heute mittag nach der schrecklichen Quälerei sein:

20120221-170851.jpg

Und mit einem ordentlichen Zuckerschock startet es sich doch gleich viel besser in die Fastenzeit :mrgreen:

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Kommentare zu: "Zuckerschock" (32)

  1. Das ist wieder einmal typisch deutsche Mediziner – könnten doch einen Ton sagen, dass man am Tag vorher ‚ganz normal‘ essen soll – insbesondere bei Schwangeren … nun ja …

    • Das denke ich auch.

      Zudem hat die Hebamme vorhin zu mir gesagt, dass diese Werte für Schwangere sehr viel strenger angesetzt sind als normal und „Grenzbereich“ eigentlich noch „normal“ sei.

      Außerdem sei dieser Test (wie viele andere Dinge) einfach mal wieder eine gute Einnahmequelle…

  2. ich dachte, schwangere essen gerne saure gurken und so ,-)
    der amerikaner sieht aber auch lecker aus! hmmm!

  3. Das liest sich total lustig! 🙂 So ein Sicherheits-Voress-Tag macht doch durchaus Sinn. Wer weiß, was kommt! 🙂

  4. Vor dem Test graut’s mir auch schon. Zumal mir immer kotzübel wird (auch unschwanger) wenn ich Unmengen an süßem Zeug trinken muß…
    Allerdings – einen Süßigkeitenfressanfall am Vorabend werde ich wohl nicht erleiden – wiegesagt ich bin auch in der Schwangerschaft eher eine, die nicht so arg auf Süßes steht 😉
    Ich drück die Daumen, dass Du’s das nächste Mal besser überstehst!
    Ich finde auch, man kann zuviel untersuchen. Aber der Diabetestest ist m.E. schon sinnvoll. Schwangerschaftsdiabetes kann im ungünstigsten Fall ziemlich blöde Auswirkungen haben, nicht nur auf Dich, sondern auch aufs Baby…

    • Danke, ich werde ihn ja auch wiederholen… Aber es war schon verdammt unangenehm. Man darf ja auch zwischendrin (fast drei Stunden) nix essen bis nach der letzten Blutentnahme. Und meine Finger tun jetzt noch weh 😦

      Musst Du den Test dann überhaupt machen? Dachte das muss nur wenn man da risikobehaftet ist? Ich hab ihn machen lassen, weil in meiner Familie schon der ein oder andere so seine Zuckerproblemchen hat und weil ich in den letzten Wochen meiner Meinung nach etwas zu schnell zugelegt habe. Und Süßes esse ich ja leider sehr gern…

      Fairybaby geht’s zum Glück sehr gut, die Maus fand die Untersuchung gestern aber wohl auch etwas stressig und hat mich den ganzen Morgen lang ordentlich getreten. Dafür hat sie den Rest des Tages geschlafen.

      • Der Blutzuckerwert wird doch sowieso bei jeder VU gemessen…

      • @Alltagsfetzen: Ich glaube, Du verwechselst das mit dem Eisenwert. Zumindest mir ist nicht bekannt, dass der Zuckerwert immer gemessen wird…

        @Fairytalez: Ich kenne eigentlich keine Schwangere, bei der das nicht untersucht wurde. Mittlerweile ist der Test wohl Standard. Und da ich nicht mehr die Jüngste für eine Schwangerschaft bin, ist es wohl bei mir sowieso obligatorisch. Auch wenn ich mir überhaupt keine Sorgen mache, mit Diabetes hat meine Familie zum Glück gar nichts am Hut 😉 Und besonders süß essen tu ich ja auch nicht.

      • Für den Glukosewert ist u.A. die Urinuntersuchung jedes Mal da…und meine letzte Schwangerschaft war auch nach 35 und der Test wurde nicht gemacht.

      • @Alltagsfetzen: Das kann natürlich sein. Wiegesagt, was den Test angeht, kann ich nur von meinem Umfeld reden. Und da hat den jede – egal in welchem Alter – gemacht. Vielleicht kann man ja sagen, dass man das nicht will, aber mir ist’s lieber, es wird gemacht. Da gibt es unsinnigere Untersuchungen.

      • PS.: @Alltagsfetzen: Vielleicht hatte das bei Dir auch den Grund, dass Du schon mehrere Schwangerschaften hattest und in keiner irgendwelche Zuckerprobleme? Kann ich mir schon vorstellen, dass man dann drauf verzichtet.

      • Es gab auch einfach keine sonstigen Risikofaktoren, die das nötig gemacht hätten wie Bluthochdruck, erhöhte Gewichtszunahme oder erhöhte Gewichtszunahme des Kindes.

      • Dann wird man deshalb wohl verzichtet haben. Bei mir hat’s wahrscheinlich den Grund Alter >35 plus erste SS. Was soll’s? Ich werd’s schon überstehen 😉

      • Vertrau deinem Bauchgefühl-was dir Sicherheit gibt, ist gut 🙂

      • So halte ich es bisher, und da fühle ich mich gut dabei 🙂

  5. @Day: Schwangere essen NIE normal;-). Fressattacken sind da normal.

    Warum eigentlich so ein Test? Ich musste den NIE machen…

    • Es scheint wohl so, als sei man in der Schwangerschaft für vieles (auch für Diabetes) anfälliger als sonst. Und es kann sein, dass das Baby dann Schaden nimmt. Zunächst sind die Kinder schwerer und ich glaube noch irgendwas war da negativ. Ich weiß es auch nicht im Einzelnen, aber es ist in jedem Fall besser, den Zucker jetzt etwas zu kontrollieren bzw. mich mehr auf Vollkorn und so zu konzentrieren (voll der blöde Mist, da macht man Jahre lang WW und alles und dann darf man nicht mal in der Schwangerschaft essen was man will).

  6. Herrlich. Wunderschön beschrieben. 🙂
    (Oh man hab ich Angst vor dem blöden Test. Da kipp ich doch direkt um wenn ich morgens nichts essen darf.)

  7. Herrlich geschrieben! Ich habe mich köstlich amüsiert. 😛
    Und wieder mal bin ich froh ein Kerl zu sein. :mrgreen:

  8. Oje… Das klingt aber furchtbar, dass Du diese Prozedur noch mal machen musst… Hat denn Dein Süßkram-futtern vom Vorabend die Messwerte so durcheinander gebracht???

    Was wäre denn gewesen, wenn Du der Ärztin nicht erzählt hättest, was Du so am Vorabend gegessen hast? Hätte man dann bei Dir eine Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert?

    PS: Dieses Glucosezeugs klingt wirklich eklig…

    Liebe Grüße
    Schlörte

    • Auf den „Nüchtern“ Wert hat es wohl schon Einfluss, was und wie spät man am Vorabend so isst. Sie hat mich gefragt, weil die anderen Werte ja eigentlich ganz ok waren und sie sich wohl nicht so richtig erklären konnte, woher der höhere Wert kam.

      Ich versuche es jetzt erstmal einfach mit weniger Süßkram allgemein und mehr Vollkorn. Hab ich sonst ja auch so gemacht, nur die letzten Monate war ich damit eben etwas schlampig.

      Im Endeffekt würde Schwangerschaftsdiabetes zunächst auch nur bedeuten, die Ernährung gesünder zu gestalten. Das kann ich ja auch so machen. Medikamente sind in den seltensten Fällen notwendig. Und nach der Schwangerschaft ist es auch meist wieder weg.

      Nachdem mir einige Bekannte jetzt erzählt haben, sie hätten auch erhöhte Werte gehabt und es sei einfach gar nichts passiert, versuche ich mir einfach nicht zu viele Gedanken darüber zu machen. Stress ist nämlich auch nicht gut für den Insulinspiegel.

  9. …Schokolade über Gummibärchen bis zu einem späten Abendessen alles auf, was ich gestern in meiner Angst und Verzweiflung, heute verhungern zu müssen, in mich reingestopft hatte….

    Herrlich :mrgreen:

  10. Ich muß am 28. 03. so einen Test machen. Allerdings muß ich da nur den Nüchternwert mitbringen (den ich schon selbst gemessen habe), und dann muß ich nur einmal irgendwas trinken. So einen Test, wie Du machen mußtest, den muß ich erst machen, wenn dann wirklich ein Verdacht besteht. Bestand der denn bei Dir?

    • Nö, hier ist das so Routine mit dem Test. Alle die ich kenne haben den auch so gemacht.

      Da mein Nüchternwert grenzwertig (90) war, müsste ich den Test theoretisch in ein paar Wochen wieder machen. Aber ich will das nicht und meine Gyn meinte, wenn ich versuche wenig Zucker zu essen und die Kleine sich weiterhin wie bisher normal entwickelt, zwingt sie mich nicht dazu. Der Tag mit dem Test war für mich/uns furchtbar stressig und ich würde eine Wiederholung gerne vermeiden.

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