… aus dem Leben einer Fairy

Liebes Tagebuch…

So fing damals mein erster Tagebucheintrag an. Daran wurde ich neulich durch eine Diskussion erinnert. Es ging darum, ob ein Blog ein Tagebuch ersetzen kann bzw. ob es äquivalent dazu ist. Im ersten Moment dachte ich: klar! Aber wenn ich genauer darüber nachdenke… Nein!

Ich war circa zwölf oder dreizehn Jahre alt und hatte gerade das „Tagebuch der Anne Frank“ gelesen. Ich fand das Buch irgendwie faszinierend und erschreckend zugleich. Die Vorstellung, verfolgt zu werden und immer Angst haben zu müssen war furchtbar für mich, zumal ich vorher noch nicht wirklich viele Informationen zum Zweiten Weltkrieg erhalten hatte. Faszinierend fand ich es hingegen, wie plötzlich ein „privates“ Manuskript öffentliche Bedeutung erlangen kann.

Dieses Buch gehörte vorher meiner Mutter und wie ich an den Strichmännchen und meinem krakelig gezeichneten Namen auf manchen Seiten sehen konnte, hatte sie mir das Buch schon früh überlassen. Es hatte quasi auf mich „gewartet“.

Bereits bevor ich lesen konnte, fand ich Bücher faszinierend. In der Schule war das Einzige, das ich wirklich schnellstmöglich lernen wollte, lesen und schreiben. Warum ich auch Mathematik lernen musste, habe ich bis heute nicht verstanden 😉

Nach der Lektüre dieses Buches habe ich jedenfalls beschlossen, selbst Tagebuch zu führen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt die Vorstellung, das könnte irgendwann wichtig sein und viele Leute würden es lesen (wie das Tagebuch der Anne Frank eben). Ich weiß noch, wie ich lange überlegt habe, was für ein Buch ich wählen und wie ich es verstecken sollte (ich habe einen jüngeren Bruder…).

Als diese essentiellen Fragen geklärt waren, wollte ich sofort loslegen und merkte, dass mir gar nichts so richtig einfallen wollte, das für die kostbaren Seiten wertvoll genug erschien.

Mit der Zeit füllten sich die Blätter dann aber doch mit Inhalten, die mir wichtig waren und das Buch wurde für mich zu einem treuen Begleiter. Es nahm Liebeskummer genau so in sich auf wie Erlebnisse, Gedichte, Briefchen, Konzertkarten und natürlich Geheimnisse. Es war ein wahrhaft diskreter und zuverlässiger Freund. Irgendwann ging es natürlich hauptsächlich um Männer bzw. zu dieser Zeit noch Jungs und ALLES wollte man mit den Freundinnen oder gar der Mutter keinesfalls besprechen…

Damals war ich fast ein wenig enttäuscht, dass mein Tagebuch keine historische Bedeutung erlangt hat. Im Nachhinein bin ich natürlich froh, dass kein Weltkrieg ausgebrochen ist, dass mein Tagebuch in seinem sicheren Versteck bleiben durfte und dass kein Mensch die darin enthaltenen (peinlich pubertären) Dinge gelesen hat (außer mir selbst vor einigen Jahren und ich habe mich fast sowas wie fremdgeschämt bei manchen Einträgen).

Und doch ist es schön, eine solche Erinnerung zu haben an eine Zeit, aus der man eben doch vieles vergessen und verdrängt hat. Vermutlich zu Recht 😉

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Kommentare zu: "Liebes Tagebuch…" (10)

  1. Sehr interessant zu lesen, wie du zum Tagebuch schreiben gekommen bist!
    Mich hat anfangs nur gewundert, dass du wolltest, dass dein Tagebuch jemand findet. Da hatte und habe ich immer noch Angst vor, aber das hat sich bei dir ja auch geändert.
    Wann hast du denn aufgehört zu schreiben und noch neugieriger bin ich, warum?
    Passt deine ganze Jugend in das eine Buch oder hast du nur das schickste raus gesucht zum fotografieren?
    Liebe Grüße, Jule

    • Liebe Jule, erst mal herzlich Willkommen auf meinem Blog 🙂

      Ich habe mehrere Tagebücher geschrieben, aber die sind nicht alle hier. Und klar habe ich das Schönste gewählt für das Foto 🙂

      Ich wollte nie, dass jemand aus der „Gegenwart“ die Bücher findet. Ich hatte anfangs (da war ich ja noch sehr jung…) nur den Gedanken, es könnte mal „Literatur“ werden 😉

      Ich habe mit kleineren und größeren Unterbrechungen Tagebuch geführt bis ich Anfang 20 war. Irgendwann hat mir einfach die Muße dafür gefehlt und ich war so beschäftigt mit dem Leben an sich, dass mir keine richtige Zeit mehr blieb, darüber zu schreiben. Meist habe ich in schwierigen oder unsicheren Zeiten wieder angefangen und aufgehört, wenn ich mich sicher und wohl gefühlt habe. Es ist eine gute Hilfe zur Reflexion und Selbstfindung, von daher hat es mir wirklich viel genutzt :mrgreen:

  2. …oh. Tagebuch habe ich auch mal geschrieben. Habe es aber weit vor Dir wieder aufgegeben. 😉
    Kann mich auch beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, wie ich dazu gekommen bin.

    Liebe Grüße
    Schlörte

    (PS: Zum Schluss war das eh´ nur noch eine Seite „Jugenname“ weitere Seite großes Herz. 😉 )

  3. Wie, um alles in der Welt, bist Du an mein Tagebuch gekommen??? Ich habe es doch so gut versteckt. Es ist…
    Hey!
    Eben war es doch noch da…

    MISS FAIRYTALEZ RÜCK ES WIEDER RAUS!

  4. sowas hab ich nicht – aber mein poesiealbum ist auch toll 🙂
    schönes wochenende!

  5. Ich habe ca. 6-8 Tagebücher vollgekritzelt. Und mir geht es genauso wie Dir – es ist sehr interessant zu lesen, aber ich schäme mich manchmal echt… 😆 Deshalb wird es außer mir auch NEVER EVER irgendwer anderes lesen.

    Ich hab schon lange aufgehört, aber diese Bücher werde ich nicht wegwerfen. Auch wenn es wiegesagt nicht für irgendwen erlaubt ist, da irgendwann reinzugucken 😉

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