… aus dem Leben einer Fairy

Ängstliche Knie

Heute war ich bei meiner Osteopathin. Nachdem sie mein teilweise noch kreativ ausweichendes Gangbild begutachtet und ein ernstes Gespräch mit den noch etwas unwilligen Körperteilen geführt hatte, fing sie an, meine Kniescheibe anzufassen.

Meine spontane (und übliche) Reaktion (weil so ziemlich jeder Arzt, Physiotherapeut, Masseur etc. in meiner jahrelangen Krankheitsgeschichte versucht hat, daran rumzuwackeln oder zu schieben) war: „Nein, aufhören, ekliges Gefühl“.
Die übliche Gegenreaktion (weitermachen und mich nicht ernst nehmen, Diskussionen über Mobilität, „wenn die jetzt nicht hält, dann hält sie nie“) blieb überraschenderweise aus.

Sie fragte mich, was das für ein Gefühl sei. „Angst“ erwiderte ich. Und dann sollte ich die Angst genau beschreiben (kam mir bekannt vor, aber sich selbst stellt man solche Aufgaben selten ;-)).

Angst, dass die Patella trotz all der Mühe und Kosten, trotz aller Sorgfalt und Vorsicht, wieder luxiert. Der schreckliche und schmerzhafte Gedanke an die vielen Situationen, in denen ich mich zu sicher gefühlt hatte. In denen ich unvorsichtig oder einfach gedankenlos war und in denen es immer wieder passiert ist. Beim laufen, beim Springen, beim Putzen, bei jeder unüberlegten Bewegung…

Sie meinte, dass es genau diese Angst sei, die mein Bein manchmal mitten in der Bewegung immer noch lähmt. Die meinen Laufstil noch sehr unflexibel macht. Die meine Bewegungen manchmal so sehr blockiert, dass ich eher stolpere und hinfalle, als das Knie zu bewegen.

Ich weiß, dass es ein Körpergedächtnis gibt. Beispielsweise auch ein Schmerzgedächtnis. Wie störend solche „Schutzmechanismen“ sein können, erfahre ich offenbar gerade mal wieder am eigenen Leib.

Nur wie stelle ich das ab? Wie sage ich meinem Bein: „Es wird nichts passieren“ wenn ich davon selbst nicht wirklich überzeugt bin? Wie überzeuge ich mich selbst von etwas, das mir niemand garantieren kann?

Und es hilft mir Null, die üblichen Sprüche zu hören (So manch einer hat sich schon kaputt geschont, Du könntest auch vom Auto überfahren werden wenn du die Tür rausgehst, blablabla).

Ich spüre, dass meine „Wurzeln“ mich noch weiter beschäftigen werden und bin momentan auf dem Stand:
Ich habe keine Lösung, aber ich bewundere das Problem.

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Kommentare zu: "Ängstliche Knie" (9)

  1. Hui, das klingt ja mal spannend. Ich habe ebenfalls Knie, die gerne mal aus heiterem Himmel den Dienst versagen. Daher kann ich dieses Angst-Gefühl wunderbar nachfühlen. Allerdings bin ich dagegen noch nicht durch eine Therapie-Hölle gegangen, weil ich mich bisher hartnäckig geweigert habe.

    Leider weiß ich auch nicht, wie man die Angst einfach abstellt. Wie du schon geschrieben hast: Es passiert ja gerne, wenn man grade gar nicht dran denkt. Also wie soll man sich dann darauf verlassen, dass alles gut geht.

    Ich drück dir die Daumen, dass es bei dir ein gutes Ende nimmt.
    Gruß Felis

  2. Das sind meistens 08/15-Sprüche von Leuten, die noch nie in der gleichen Situation waren. Ich denke, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss, um die Situation zu meistern. Und ich glaube fest, dass Du Deinen finden wirst, wenn die Zeit gekommen ist. 🙂

    • Ich schließe mich Frau Cassy hier voll und ganz an, der Tag wird kommen…ansonsten können sie auch zu Dr.Spank in die Praxis kommen, ich bespreche alles…sogar Beine 😉

      • Vielen Dank Euch beiden für die lieben Worte… und Dr Spank natürlich für das großzügige Angebot 😉 Ich werde bei Gelegenheit darauf zurückkommen!

  3. hör nur auf dich und nicht auf doofe sprüche…

  4. Hhhm, soll ich jetzt was schreiben oder nicht :-/. Ist schwierig und ich kann dich verstehen…

    Ich schreib einfach mal. Soll aber kein Ratschlag sein oder irgendwas in der Art….
    Manchmal liest man doch, dass man etwas bewirken kann, wenn man sich immer und immer wieder sagt, wie es sein soll. Und dass man dann gaaaanz langsam wirklich dran glaubt. Ich weiß nicht, ob das wirklich funktioniert… Ich finde es auch sehr mühsam – z.b. an deiner Stelle – ständig meinem Bein zu sagen: es ist alles okay, es ist alles okay…

    Ich habe persönlich ein Problem mit meinem Gehör. Ich höre laut Hörtest ganz gut. Allerdings bin ich seeeehr Lärmempfindlich. Wird es in meiner Umgebung laut, verstehe ich Worte nicht mehr richtig. Ich kann meinem Gehör nicht sagen: Pass auf, der Text ist wichtig, die Umgebungsgeräusche nicht! Ich höre alles mögliche gleichzeitig. Und habe gleichzeitig das Gefühl, dass ALLES zu laut ist und meinem Gehör schadet. Auto, Schritte, Vögel, Musik und halt ein paar Satzfetzen oder halbe Wörter. Sehr unangenehm und die Mitmenschen denken, ich würde absichtlich nicht zuhören und werden dann ärgerlich. Was die Situation noch mehr verstärkt.

    Laut dem Hörgeräteakustiger ist das bei mir keine Ohr-, sondern eine Gehirnsache. Ich habe Angst vor lauten Geräuschen und vor lauter „Angst“ krieg ich nix anderes mehr mit. Ich kann mich nicht konzentrieren.

    Auch der Hörgeräteakustiker sagte, ich müsse das üben. Und versuchen meinem Gehirn zu sagen, dass das was ich höre, noch nicht im schädlichen Bereich ist. Und ich es „runterblenden“ kann, da es unwichtig ist. Aber es klappt nicht. Egal, wie oft ich es versuche… Und das nervt ohne Ende. Oder ich soll ein Hörgerät tragen. Ja danke auch!

    Lange Rede kurzer Sinn: hat kein Sinn. Du musst da deinen eigenen Weg finden. 😦

    Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass du ihn findest!

    • Vielen Dank erst mal für Deinen ausführlichen und persönlichen Kommentar.

      Dein Problem hört sich wirklich vom Prinzip her ähnlich an. Dass es sehr schwierig ist, die Konzentration von störenden Geräuschen auf andere Dinge zu lenken, kenne ich von Tinnitus Patienten. Es klingt so einfach und ist so schwierig. Hast Du schon mal überlegt, Dich dort umzuschauen? Es gibt da ganz gute therapeutische Ansätze.

      Ich denke, Du hast absolut Recht. Man muss einen eigenen Weg finden. Nicht bei jedem funktionieren Entspannungsverfahren, neurolinguistische Programmierung (sich einreden es funktioniert) oder Verhaltenstherapie. Jeder muss eine Methode finden, mit seinem Problem zu leben bzw. es los zu werden.

      Ich bin diesbezüglich ja zum Glück (manchmal aber auch leider ;-)) an der Quelle des theoretischen Wissens. Fehlt nur noch ein Stück Praxis. Am Ende wird mir dieses „Erfahrungswissen“, das ich seit einiger Zeit sammle, aber hoffentlich helfen, andere Menschen besser zu verstehen.

      Ich wünsche Dir ebenfalls, dass Du einen Weg findest, Dein Problem zu lösen.

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