… aus dem Leben einer Fairy

Das Unwort des Jahres

Ich muss das jetzt einfach mal loswerden, sonst platze ich noch …. der von mir zum Unwort des Jahres gekürte Begriff lautet : GEDULD !!!

Wenn mir dieses Jahr noch einer sagt, ich müsse eben Geduld haben, dann hat er große Chancen darauf, am nächsten Tag in der Zeitung zu stehen… als Opfer eines grausamen Mordes!!

Ich weiß gar nicht mehr wann es genau anfing aber es muss Anfang Januar gewesen sein, als mir der erste wohlmeinende Mensch eröffnete ich solle nur geduldig sein, bald werde der Schmerz in den Knien sich bessern. Hierauf reagierte ich noch mit Ruhe und Gelassenheit.. mit quasi STOISCHER Geduld… (darauf dass der Schmerz nachlässt warte ich übrigens immer noch)

Auch als im Februar alles was von meiner Beziehung noch übrig war in die Brüche ging und jemand sagte ich solle doch nur geduldig sein, eine tolle Frau wie ich sei nicht lange allein dachte ich mir noch nichts dabei. Als mein Exfreund zwei Wochen später verlobt war und seine neue Verlobte geschwängert hatte wurde ich stutzig… Wie war das mit der Geduld? Mache ich womöglich irgendwas falsch?

Dass ich monatelang meinem Supervisor mit meinen Texten hinterher gelaufen bin ohne messbaren Erfolg mag ich schon fast gar nicht mehr erwähnen („Haben Sie etwas Geduld, nächste Woche habe ich mehr Zeit…“)

Dann die Knieoperation auf die ich ja nur ein halbes Jahr mit starken Schmerzen gewartet habe… („Nur Geduld, der Professor hat sehr viele Termine und Geschäftsreisen und…“) und jetzt sitze ich hier und höre mehr oder weniger täglich aus mehreren Gründen und von mehreren Personen ich müsse geduldig sein…

Geduldig warten auf gesund werden, auf laufen können, auf den richtigen Mann, auf einen guten Job, auf eine neue Wohnung, auf Kaffee , auf Essen, auf ich weiß nicht was noch alles aber mal im Ernst.. meine Nerven fangen an zu summen wenn meine Ohren oder meine Augen das verhasste Wort wahrnehmen. Erlernte Hilflosigkeit macht sich breit… GEDULD…Ein Trigger mich auf 180 zu bringen in Millisekunden …. unfassbar… ich fühle mich wie ein Geduldbluthund… gggrrrrrrrhhhh…

Natürlich habe ich als genüsslich im Selbstmitleid versinkender, mindestens latent wütender und zudem reflektierter Mensch mich gefragt womit ich das verdient habe und mir fiel nur eines ein : schlechtes Karma !!!

Bin nicht ICH diejenige, die Menschen bis zum Wahnsinn bis irgendwann vertröstet und die ganze Sache selbst schnell vergessen hat? Ich will nicht wissen wie viele Menschen bis heute auf irgendeine Rückmeldung meinerseits wegen irgendetwas warten. Bin ich nicht der Mensch, der sowohl in der Schule als auch im Studium manche Dinge bis zur letzten Sekunde herausgezögert hat? Der sich selbst nicht so GANZ spaßeshalber „Queen of Prokrastination“ nennt? Bin ich am Ende etwa selbst Schuld an dem Desaster?

Ja, die Selbstreflexion bringt manchmal Dinge zutage die man gar nicht so gern wahr haben will.. und meine Vermutung ist, dass mein Leben es mir gerade mit aller Macht heimzahlen will.. all die Jahre mehr oder weniger aktiv aufgeschobene Pflichten und vermiedene Unannehmlichkeiten. Jetzt krieg ich das alles zurück.

Und in dem Moment in dem mir das klar wird denke ich mir: Wo ist eigentlich mein Problem ? Ist doch alles ok. Und eine fast schon Zen-würdige Gelassenheit ergreift mich und ich nehme den Zustand an. Ich warte. Und stelle mir vor, ich täte es mit Absicht. Der wundervolle gesunde Abwehrmechanismus der Wendung von passiv zu aktiv. Perfekt. Ich liebe es. Coping kann so schön sein.

Bis der nächste Vollidiot wohlmeinende Mitmensch kommt und mir wieder etwas von Geduld erzählt…

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