… aus dem Leben einer Fairy

Der bessere Weg?

Neulich habe ich bei einer Fortbildung eine ehemalige Kommilitonin getroffen. Zunächst wusste ich gar nicht mehr genau aus welchem Kontext ich die junge Dame kannte, aber nach ein paar beobachteten Episoden am ersten Tag der Veranstaltung fiel es mir wieder ein und wir unterhielten uns ein wenig.

Sie war eine derjenigen im Studium, die nach mir angefangen und sich vor mir durch’s Diplom gemogelt gearbeitet hatten. Eine von denen, die bei jeder Prüfung die Unterlagen zum Abschreiben unter der Bank hatten. Eine von denen, bei denen immer Party angesagt war. Eine von denen, die Diplomarbeiten zu zweit oder zu dritt geschrieben und sich damit nicht viel Arbeit gemacht hatten. Eine die (wie sie mir an dem Wochenende selbst stolz erzählte) eine gute Note kassiert hatte, weil sie den Professor genötigt hatte, ihre Arbeit zu benoten ohne sie wirklich gelesen zu haben. Anfangs fragte ich mich, warum ich nie wirklich mit ihr geredet hatte, unter der kalten Fassade schien sie doch ganz nett zu sein.

Und dann erzählte sie, dass sie die kürzeste der möglichen Ausbildungen nach dem Studium gewählt hat, fertig ist und jetzt eine tolle Stelle durch Vitamin C bekommen hat. Das alles mit einer lässigen Arroganz, die mir einerseits imponierte und mich andererseits abschreckte. Jetzt wusste ich wieder, warum ich im Studium kaum Kontakt mit der jungen Frau gehabt hatte. Es war dieses ganze Grüppchen in dem sie steckte und die Art und Weise zu reden und sich zu geben. Immer ein bisschen “drüber”. Nur nett wenn es Vorteile versprach. Rücksichtslos. Nur auf sich konzentriert.

Am Ende der Veranstaltung sollten Kontaktdaten ausgetauscht werden um die theoretisch erworbenen Kenntnisse gemeinsam zu üben. Dies lehnte sie mit verachtungsvoller Mimik ab mit den Worten: “Also da hab ich keine Lust drauf, das könnt ihr ja machen, aber dafür ist mir meine Zeit zu schade.”

Ich wurde nachdenklich. So einfach ist das Leben also in Wirklichkeit? Warum habe ich es mir dann immer so schwer gemacht? Habe für all meine Prüfungen selbst gelernt, meine Diplomarbeit selbst geschrieben und alle dafür angegebene Literatur auch wirklich gelesen. Habe eine längere Ausbildung gewählt, weil diese vom Arbeitsstil her besser zu mir passt. Und bin immer noch nicht wirklich am Ziel. Bin grundsätzlich eher zu freundlich als zu abweisend. Gehe auf Vorschläge ein, bin kompromissbereit und (sofern ich das beurteilen kann) teamfähig.

Machen diese Leute etwas richtiger als ich? Warum habe ich für mein Leben immer wieder die Erfahrung gemacht, dass der “einfache” und scheinbar schnelle Weg nicht passt? Mich nur noch mehr Umwege kostet? Mich in die falsche Richtung führt? Ist am Ende nur das erreichte Ziel wichtig oder auch das “Wie”?

Ich weiß nicht ob ich die Kollegin bewundern soll oder beneiden oder verachten. Es scheint alles so viel einfacher zu sein, wenn es einem einfach egal ist, was andere denken. Wenn man selbst sich nichts aus Mitmenschen macht. Wenn man an der Oberfläche bleibt und sich nichts nahegehen lässt. Das tut bestimmt viel weniger weh. Gibt der kalten Vernunft mehr Raum. Beneidenswert. Bemitleidenswert?

Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass ich so nicht sein und handeln könnte. Dafür fehlt mir ein Schalter. Und ich weiß nicht mal so genau, ob ich den nachrüsten lassen möchte. Oder ob er meine komplette Technik durcheinanderbringen würde und einen Kurzschluss verursacht.

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Kommentare zu: "Der bessere Weg?" (12)

  1. Ich finde, dass Du Dich beglückwünschen solltest, denn Du erreichst Dein Ziel aus eigener Kraft und das wirst Du in keiner Phase Deines Lebens vergessen und Du wirst dieses Wissen auch weiter geben – das Wissen wir gut man sich fühlt, wenn man etwas erreicht hat.

    Andererseits zieht Deine Bekannte knallhart ihr Ding durch – gäbe es nicht Menschen die dafür empfänglich wären, hätte diese Art von Menschen keine Chance.

    Zunächst gewinnt man den Eindruck diese Menschen hätten es leichter etc. – sieht man aber kurz unter die Decke, ist man froh, dass man nicht in deren Haut steckt.

    Das ist zumindest meine Erfahrung ;-)

    • Danke :-)

      Ich bin mir sicher Du hast recht, auch wenn man sich manchmal einfach nur blöd vorkommt wenn man solchen Leuten begegnet. Dass sie einem nicht wirklich etwas Wertvolles voraus haben merkt man erst später.

      Wenn ich mir überlege, dass es gerade in meinem Beruf ein wichtiger Faktor ist, eigene Erfahrungen gemacht zu haben und dass die Arbeitsbeziehung eine entscheidende Rolle spielt bin ich froh, es mir nicht “zu leicht” gemacht zu haben.

      Manchmal kommt man eben einfach ins Zweifeln wenn im eigenen Leben alles so mühsam erscheint.

  2. Meiner Meinung nach gibt es keinen Weg der besser ist als der andere ist. A ist nicht schlechter oder besser als B. Genauso wenig wie C oder D.
    Wenn du dich mit deinem Weg wohl fühlst, ist es FÜR DICH der richtige. Aber nicht unbedingt für deinen Mann, deine Nachbarn oder deine ehemalige Kommilitonin :-)
    Genauso ist es umgekehrt.
    Mir hilft es oft, aus dieser Vergleichs- und Wertungsschiene bewusst auszusteigen. Frau X ist halt so, sie macht es auf ihre eigene Art. Herr Y macht es es anders. Und keines davon ist besser oder schlechter.
    Wenn erst mal Euer Kind da ist, wirst du schnell feststellen, dass vorallem Kinder ihre eigene Art haben, etwas zu machen, nicht zu machen oder durch das Leben zu gehen und es ist nicht automatisch schlechter als das, was du dir eigentlich so vorstellst :-)

    • Das mit den Kindern kann ich mir lebhaft vorstellen. Mein Bruder und ich haben sicher auch nicht alles so gemacht wie meine Eltern es sich gewünscht hatten ;-).
      Ich bin gespannt.

      Und dass jeder seine eigene Art hat Dinge zu tun ist schon klar :mrgreen:

  3. Dass es Leute gibt, denn alles förmlich in den Schoß zu fallen scheint, hat es immer gegeben und wird es immer geben. Manchmal ärgert es einen, manchmal kann man darüber hinweg gucken. Manche kommen so durchs Leben, bis sie in die Kiste hüpfen; andere geraten an ihre Grenzen und bekommen die Quittung.

    Das Leben anderer ist nicht unbedingt besser oder schlecher, nicht leichter oder schwerer. Es ist wichtig, dass man sein Potential nutzt und das Beste daraus macht. Was anderes geht sowieso nicht. :-)

  4. Liebe Miss,
    Du hast genauso wie ich das Glück toller Kommentatoren – da muss man einfach mal zwischendrin gratulieren!
    Warum beschäftigen einen solche Menschen eigentlich? Weil sie so völlig anders sind als die Meisten? Weil sie in ihrer Rücksichtslosigkeit so bemerkenswert konsequent und so scheinbar unabhängig sind? Oder weil klar wird dass sie relativ bald dort ankommen wofür anderen ein ganzes Leben nicht reicht?
    Ich denke, dass die Unabhängigkeit sich nicht nach anderen auszurichten der Knackpunkt ist. Lernen von den Besten – Erfahrungsaustausch mit Menschen die selber lernen kostet zu viel Zeit. Selber das Tempo vorgeben statt hinterherzuhecheln und lieber förderliche Kontakte knüpfen als wieder zeitintensiv nächtelang zu Büffeln. Das unterscheidet Experten von Führungskräften. Experten (wie Du) gewinnen ihre Kraft aus dem Wissen, Führungskräfte aus der Gesamtübersicht und im ungünstigsten Fall aus der Macht. Experten werfen den Anderen mangelnden Tiefgang und Rücksichtslosigkeit vor, Führungskräfte wissen um den Geschwindigkeitsvorteil.

    Das alte Schema sieht Frauen meistens in der Expertenrolle – die rücksichtslosen Alphatierchen müssen Männer sein! Sehr angenehm für Männer (stärkere Frauen gehen ans eigene Ego) und für Frauen, die ohnehin unter sich flache Strukturen bevorzugen. Karrierefrauen die über Leichen gehen passen da so gar nicht ins Kuschelschema ;-)

    • Zunächst mal stimme ich Dir zu, ich liebe meine Kommentatoren und die verschiedenen Ansichten und Diskussionen, die sich hier entspinnen empfinde ich immer als wertvoll und nützlich. Dieser Blog ist für mich bei vielen Themen ein Tagebuch mit Feedback-Funktion. Nicht immer bequem, aber immer lehrreich. Ich würde abgesehen davon auch niemals Kommentare löschen, die mir nicht gefallen. Verschiedene Meinungen machen die Vielfalt aus.

      Dass es (mittlerweile) auch in meinem Geschlecht viele gibt, die durchaus neben/statt der üblichen weiblichen Waffen (damit meine ich natürlich Teamfähigkeit und Mitarbeiterorientierung, was sonst *hust*) auch “männliche” Strategien einsetzen, war mir durchaus bewusst. Ich dachte aber, die studieren dann eher BWL ;-)

      Ich habe es in meinem Fach einfach noch selten erlebt und mich auch damals schon gefragt, warum diese Kommilitoninnen dieses Studium gewählt haben.

      Und ich muss wirklich zugeben, dass ich leider zu den lang lernenden und (ich habe das Antikompliment durchaus wahrgenommen ;-)) kuscheligen “Experten” gehöre, die schon irgendwie gern an vorderer Stelle stehen, aber nicht um den Preis von Hass oder Neid der anderen. Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass das kaum möglich ist und man (egal wie man etwas erreicht hat) ab einem gewissen Punkt IMMER Missgunst auf sich zieht. Daher haben die “Führungskräfte” sicherlich eines richtig gemacht: von Anfang an verstanden, dass man es ohnehin nicht allen Recht machen kann und sich daher nicht von anderen Meinungen abhängig machen bzw. diese ignorieren.

  5. Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass ich so nicht sein und handeln könnte.

    Der Satz sagt doch schon alles, und das zeichnet sich auch aus meine liebe! Sei Stolz auf dich

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